Wir trafen uns im Atelier von Thomas Gothier in der Reifenstühlstraße im Münchner Dreimühlenviertel. An diesem Samstag, den 18.3.2017, ging ein starker Südwestwind parallel zur Isar. Vom Prinzregentenplatz radelnd war es anstrengend gegen den stetigen Wind anzukommen.
Sein Studio ist cool, in einem schönen Hinterhof über eine Eisentreppe zu erreichen, innen industriell großzügig und NY-Assoziationen weckend. Etwa eine Woche vor dem Dîner schlug Thomas G. vor eine vegetarische Bolognese zu kochen. Das Sojahack - bei Basic gekauft - entpuppte sich als fertige Bolognese Soße und war nicht, wie auf der Verpackung beschrieben, pures, unverlängertes Fleischimitat. Der Ärger über dieses enttäuschende Produkt blieb nicht aus. Schon um 18:30 fingen wir an zu kochen, noch bevor Samira Goetz, Helin Alas, Johanna Hössl und Quirin Brunnmeier eintrafen. Der große Nudeltopf war Induktionsherd geeignet. Doch es fehlte ein zweiter Topf für die Soße. Wir beschlossen zuerst die Bolo zu machen (was ja am längsten Zeit in Anspruch nimmt) und dann im selben Pott die Spaghetti zu kochen. Eine letzte küchentechnische Hürde mussten wir nehmen, als wir merkten, dass es im Atelier keine Schneidemesser gibt. Wir verwendeten normale Messer.
Das 3. Papa Nuevo Dîner stand unter dem Titel Rache. Ich war von diesem ungeschmeidigen und negativen Wort in Kombination mit einem Abendessen unter inspirierenden Persönlichkeiten wirklich begeistert. Vielleicht hat dieses Reizwort aber auch große Erwartungen geweckt, auf die ich mich hätte vorbereiten sollen. Wie auch immer war es schön, als zuerst Helin, dann Quirin, Samira und schließlich Johanna zwischen 19:42 und 20:43 eintrafen. Es lief Musik im Hintergrund. Die Sugo wurde wieder und wieder verbessert. Wir tranken Wasser, Radler und Pils. Getragen wurden Acryl- und Wollpullis in den Farben blau und schwarz, sowie Cordhosen, ein Jerseykleid, und ein Blumenhemd. Ausserdem gab es Details wie Helins neuen Ohrstecker, entworfen von Angela Geisenhofer, sowie Samiras Brosche der Künstlerin Johee Han, zu bewundern. Wir erfuhren von Johanna, wie die Modemaschine eines deutschen Premium Herrenlabels funktioniert. Wir unterhielten uns über Mietpreise, die Unterhaltskosten für ein Auto und über die Ausstellung von Helin Alas im Prince of Wales: Dort rückte sie das Haus selbst in den Mittelpunkt ihrer Intervention, setzte Akzente, die den Ausstellungsraum durchliefen; an den Eingängen und Fenstern eigengefertigte Taue und im Inneren sporadisch auftauchende Fotos des Hauses aus leicht veränderten Blickwinkeln. Ich fand Quirins Äusserung treffend, dass Helins Show auch etwas Trauriges an sich hatte, da PoW in naher Zukunft schließen wird.
Endlich konnten wir essen. Die Spaghetti waren knapp verkocht. Aber das hat schon gepasst. Ich fand die Soße wirklich gut. So richtig kam aber keine Gemütlichkeit auf und der Abend war schnell zu Ende.

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1,2 Thomas Gothier
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